Vielleicht geht es Ihnen auch manchmal so: Sie fühlen sich schon beim Aufstehen schlapp, quälen sich erschöpft durch den Tag und sehnen sich nach Ihrem Bett … und wenn es dann am Abend soweit ist, liegen Sie hellwach darin und grübeln über Vergangenes oder Zukünftiges nach. 

Hält dieser Zustand an, verlernen wir zu schlafen. Fehlender Schlaf ist so beeinträchtigend für unser Wohlbefinden wie eine Krankheit. Wir sind nicht in unserem Gleichgewicht und benötigen mehr Energie, um den normalen Alltag zu bewältigen. Die Verbindungsstärke zwischen den Nervenzellen sowie die Menge der Nervenbotenstoffe, die zur Übermittlung der Signale zwischen den Nervenzellen ausgeschüttet werden, ist unausgeglichen. Das beeinträchtigt nicht nur unser Denken sondern auch unsere Stimmung. Wir fühlen uns träge, kraftlos, sind unkonzentriert und auf Dauer kränklich und nicht belastbar. 

Was passiert im Gehirn, wenn wir schlafen?

Schlaf ist so wichtig für uns wie Essen und Trinken. Im Schlaf werden unsere Batterien wieder aufgeladen, und er ist für das reibungslose Funktionieren unseres Gehirns von zentraler Bedeutung. Dabei durchläuft der Körper abwechselnd verschiedene Schlafphasen, die so aufeinander abgestimmt sind, wie die unterschiedlichen Waschschritte einer Spülmaschine. Vielleicht müssen Sie über den Vergleich lächeln, aber es ist tatsächlich nicht allzu weit hergeholt. Wenn wir den Schlaf unterbrechen oder zu früh abbrechen, kann er seine Funktion nicht vollständig erfüllen.

Im Gehirn werden unzählige Daten des Tages verarbeitet: neue Verbindungen zwischen Nervenzellen aufgebaut und andere wiederum, die wir nicht mehr benötigen, abgebaut. Dem Schlaf kommt eine entscheidende Rolle bei der Umverteilung und Festigung des Gedächtnisses zu. Er hat eine befreiende, stressabbauende Wirkung und bringt unseren Energie-Haushalt wieder ins Gleichgewicht.

7 Tipps für einen erholsamen Schlaf

Schlafexperten sagen, dass wir alle unseren Schlaf verbessern können, indem wir uns eine gute „Schlafhygiene“ angewöhnen. Folgende Tipps habe ich zusammengestellt:

  1. Lassen Sie den Tag ruhig ausklingen.

    Dazu gehört auch mindestens 30 Minuten vor dem Zubettgehen keine Bildschirmzeit mehr zu haben. Durch das Licht vom Screen wird die Melatoninproduktion gestoppt. Melatonin ist das sogenannte Schlafhormon, es macht uns müde.

  2. Atemübung

    Schon mit wenigen ausgiebigen, bewussten Atemzügen können wir körperlich und geistig entspannen. Der Parasympathikus, der Nerv des vegetativen Nervensystems, der für Regeneration zuständig ist, wird bei der folgenden Übung aktiviert: Atmen Sie bis in den Bauch, so dass sich die Bauchdecke nach außen wölbt. Einatmen, Luft für circa 4 Sekunden anhalten, anschließend vollständig ausatmen. Das ganze bitte 5 x wiederholen.

  3. Führen Sie ein bewusstes Ritual vor dem Schlafen ein.

    Rituale entfalten ihre Stärke in der Gewohnheit und Intention, die dahinter steht. Sie schenken uns Vertrauen und Sicherheit. Nach einer Weile wird das Ritual dem Körper signalisieren, dass es Zeit ist, sich zu entspannen. Dies könnte zum Beispiel ein Schlaftrunk aus warmer Hafermilch, etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen, sein. Hafer enthält Melatonin, das entspannt und müde macht.

  4. Führen Sie ein Dankbarkeitstagebuch.

    Notieren Sie darin jeden Abend mindestens drei Dinge, für die Sie dankbar sind, die gut gelaufen sind oder die Sie glücklich gemacht haben. Suchen Sie gezielt nach diesen kleinen Momenten im Alltag – sie hinterlassen ein gutes Gefühl.

  5. Lassen Sie leise Musik positiv auf sich wirken.

    Es gibt Entspannungsmusik, die direkt regulierend auf Ihre Atmung und den Herzschlag wirkt. Ich empfehle dazu gerne die App „Calm“, die spezielle schlaffördernde Musikstücke anbietet.

  6. Schreiben Sie Belastendes auf, wenn Sie beginnen zu grübeln.

    Unser Gehirn denkt dann, dass es erledigt ist.

  7. Erschaffen Sie sich in Gedanken einen Kraftort, an den Sie sich für einige Minuten träumen können.

    Stellen Sie ihn sich so konkret wie möglich vor. Was sehen Sie um sich herum? Was können Sie hören? Wie riecht es dort? Was können Sie spüren? Je konkreter Sie sich alles ausmalen, desto besser.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Ausprobieren der ein oder anderen Idee. Sollten Sie aus Rostock kommen, kann ich Ihnen zur Verbesserung Ihres Schlafes meinen neuen „Schlaf gut“ – Kurs empfehlen. 

Viele Schlafprobleme können durch Selbsthilfemaßnahmen gelöst werden. Sollten sich Ihre Schlafprobleme allerdings fortsetzen, suchen Sie einen Arzt auf, der Sie medizinisch begutachtet. Sie können ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme (neurologische oder psychische Erkrankungen) sein.

LITERATURTIPPS

Vorster, A.: Warum wir schlafen. Heyne Verlag, München, 2019

Dr. Unger, A.K.: Schlaf – 50 Achtsamkeits- und Entspannungsübungen für eine erholsame Nacht. Librero, 2018